Feature-Creep / Featuritis / Darf es auch etwas weniger sein?

Um effizient mit einem Tool zu arbeiten, ist vor allem eines wichtig: es muss so einfach wie möglich sein, damit man es gerne benutzt, oder zumindest keine Ausrede hat, es nicht zu nutzen.

Lange war für mich fogbugz erste Wahl als Issue-Tracker. Recht einfach zu bedienen, Issues hatten keine unnötigen Pflichtfelder, im Prinzip reichten Betreff und Typ (Bug/Feature) für die Eingabe. Dann noch eine Versionszuordnung, wenn es geplant oder erledigt ist und damit war ein sehr zügiges arbeiten möglich.

Wie das allerdings bei Software oft so ist, nach und nach kommen immer mehr Features hinzu, die man persönlich vielleicht gar nicht benötigt. Der sogenannte Feature Creep.

In Fogbugz waren dies immer mehr Felder in den Issues, der agile Iterationsplaner, Schätzungen zum Zeitaufwand in den Issues und vieles mehr. Schlimm? Für die meisten Anwender ist es eine Belastung. Man arbeitet einfach ungerne mit Programmen, die einem das Gefühl geben, dass man sie nicht vollständig durchschaut.

Irgendwann kam dann der Punkt, an dem die Eingabe in der einfachen Listenansicht wegrationalisiert wurde, da man von den 20+ Feldern im Issue dort sowieso nur einen Bruchteil füllen konnte. Wahrscheinlich war die Argumentation im Entwicklungsteam wie folgt: „Die Leute nutzen die Features nicht, weil sie sie nicht sehen können. Also sollten wir die Anwender direkt auf die komplette Maske umleiten“.

Ärgerlich, da nun mehr Klicks notwendig sind, um einen trivialen Eintrag zu erstellen.

Noch ärgerlicher, da man in der Eingabemaske der Issues nicht wie vorher mal eben eine neue Versionsnummer vergeben konnte. Dafür benötigt man inzwischen den Iteration-planner. Der ist mächtig – zu mächtig.

Ich hätte gerne Feedback gegeben, konstruktives Feedback. Das Problem dabei: es gibt weder ein Anwenderforum, noch ein Feedback-Formular. Man fühlt sich als Kunde also übergangen und ignoriert.

Was passiert? Ich für meinen Teil habe das Tool zu den Akten gelegt und mir etwas einfacheres* gesucht. Schließlich ist mein Credo als Softwareberater, dass man immer die Software benutzen sollte, die am besten passt. Und Fogbugz passte nicht mehr.

Ein anderes Beispiel ist ein CRM-System, das ich für einen meiner Kunden entwickelt habe. Zu Beginn extrem einfach, weil man sich noch nicht ganz klar war, was man braucht. Auf Wunsch des Kunden und durch meine eigenen Ideen kamen immer mehr Funktionen und damit auch Felder hinzu.

Nach einigen Monaten stellten wir gemeinsam fest, dass die Nutzung des Systems deutlich zu wünschen übrig lies. Nicht alle Kontakte wurden eingegeben, Auswertungen wurden nicht genutzt, usw. Feature Creep.

Wie haben wir das Problem in den Griff bekommen?

Gemeinsam mit meinem Kunden wurde analysiert, welche Felder genutzt werden. Ich habe den Mitarbeitern bei ihrer täglichen Arbeit zugeschaut, gefragt, welche Funktionen sie nutzen oder gerne nutzen würden und daraus abgeleitet, was wirklich wichtig ist.

Im nächsten Schritt haben wir Felder gestrichen, Masken vereinfacht, Funktionen beseitigt und immer wieder Feedback eingeholt.

Das Ergebnis: die Anwendung wird so viel genutzt wie niemals zuvor, weil die Anwender sich ernst genommen fühlen und nur die Funktionen umgesetzt werden, die maximalen Nutzen bringen.

Entkommen auch Sie der Featuritis, dem Feature Creep, dem immer-mehr-wollen.

Ich helfe Ihnen gerne dabei!

 

*ich nutze inzwischen trello, dazu schreibe ich in einem späteren Artikel mehr.

Waidner IT Solutions